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Ruth-Karina ist eins der ersten drei Babys gewesen, die am Tag der Heimeröffnung zu uns gebracht wurden. Sie wurde zwischen Müllsäcken neben Schweinen, Ratten und streunenden Hunden gefunden und daraufhin ins Krankenhaus gebracht.
Die Folgen der Unterernährung sind so schwer, daß die Ärzte eine zerebrale Lähmung (Gehirnlähmung) diagnostiziert haben. Sie konnte weder ihre linke noch ihre rechte Körperhälfte bewegen. Die Bewegungen ihrer Arme und Beine erfolgen unkontrolliert. Ihr rechtes Bein ist zum Beispiel dauernd in Bewegung. Ihr ganzer Körper ist mit Brandnarben bedeckt, der kleinste Lärm läßt sie zusammenzucken und sie verkrampft sich. Des Weiteren hatte sie viele Blutergüsse, was ebenfalls darauf schlieβen lässt, dass sie Opfer von Gewalt in der Familie geworden ist. Ruth-Karina ist blind, kann nicht sprechen und wog gerade 6 Kilogramm als sie ankam. Zu diesem Zeitpunkt war sie schwer krank. Während der ersten 8 Monate hat sie Tag und Nacht geweint. Sie war das traurigste Kind, das wir jemals in unserem Leben gesehen haben. Wir haben sie mehrmals in einem Krankenhaus in
Lima untersuchen lassen. Ihr Körper wies weitere Symptome von Sauerstoffmangel auf, die vermutlich mit Problemen bei der Geburt oder späteren Gewalteinwirkungen zusammenhängen. Im August 2002 wurde sie wegen einiger Blutgerinnsel im Gehirn operiert, die wahrscheinlich ebenfalls Folge von Gewalteinwirkung waren. Man kann sich nicht vorstellen, was dieses Kind in seinem kurzen Leben schon erleiden mußte. Man erzählt sich, dass Ruth-Karina bei ihrer Geburt gesund war und ihre Mutter psychisch krank. Sie soll ihr Kind einer Frau gegeben haben, die an ihrem Haus vorbei kam. Ruth-Karina wird es nie erzählen können, sie ist zu einem Kind ohne Vergangenheit geworden. Nach der Operation hat Ruth-Karina angefangen sich wie ein 6-Monate altes Baby verständlich zu machen, nur mit einigen Lauten. Doch das gröβte Wunder war, sie begann zu lachen. Nach und nach hat sie uns ihr Vertrauen geschenkt. Sie hat immer noch groβe Verdauungsschwierigkeiten und kann nur flüssige Nahrung zu sich nehmen. Die Mitarbeiter brauchen sehr viel Geduld um ihr zu
essen und zu trinken zu geben. Zwei mal am Tag machen wir Übungen zur Rehabilitierung und Stimulation mit ihr, soviel geht. Laut den Ärzten ist ihr Zustand irreversibel aber wir hören nicht auf an ein Wunder zu glauben, das Wunder der Liebe. Seit dem 31. Dezember 2003 heiβt sie Ruth-Karina Van den Bergh!!! Sie ist nun unsere Tochter, wir haben sie offiziel adoptiert!
Yaneth und José-Luis sind Zwillinge. Sie waren 13 Monate alt als sie zu uns kamen. Ihre Mutter ist bei der Geburt gestorben, ihr Vater verschwunden. Als sie ankamen, wogen sie 4 und 6 Kilogramm. Ihre Großeltern kümmerten sich um sie, waren jedoch so arm, daß sie die Kinder nicht ernähren konnten. José Luis litt an schwerem Asthma und mußte zweimal am Tag ins Krankenhaus gebracht warden um sich behandeln zu lassen. Er war sehr anfällig für Krankheiten und hatte regelmäßig hohes Fieber. Oft mußten wir ihn schleunigst ins Krankenhaus bringen. Die Zwillinge sind im Vergleich zu anderen Kindern in ihrem Alter in vielen Bereichen zurückgeblieben. Yaneth ist ein sehr gut erzogenes Mädchen mit strahlenden Augen. José fing nach einigen Wochen an zu gehen und seine Schwester folgte ihm kurz darauf. Die beiden sind trotzdem oft krank und brauchen viele Medikamente. Dank der Fürsorge unseres Personals, das sich um sie sorgt, haben die Beiden schon große Fortschritte gemacht.
Natalie war 18 Monate alt und wog 6,3 Kilogramm als sie zu uns kam. Sie wurde von ihrer Mutter, die erst 14 Jahre alt war, ausgesetzt. Ihr Vater ist unbekannt. Natalie war wie viele andere Kinder unterernährt und wenig resistent gegen Krankheiten. Sie braucht mehr Stimulation als die anderen. Der Arzt meint, sie habe einen Herzfehler. Sie braucht einen speziellen Ernährungsplan, da sie viele Nahrungsmittel nicht verträgt. Sie bekommt regelmäßig Vitamine, Früchte und frische Milch. Es scheint als habe sie die Trennung von ihrer Mutter noch nicht überwunden. Die Familiensituation ist uns nicht ganz klar. Ihre Mutter lebte mit einem Mann zusammen, der das Kind nicht wollte. Natalie kann stundenlang nur daliegen ohne sich zu bewegen oder ein Geräusch zu machen. Sie ißt langsam und sehr wenig. Obwohl wir sie schon 10 Monate intensiv pflegen, wiegt sie nur 10 Kilogramm. Natalie fängt langsam an zu gehen, mit nun ca. zwei Jahren.
Diese vier Kinder waren die ersten, die ankamen als wir das Haus am 5. März 2002 öffneten.
Später kamen vier Kinder der gleichen Familie: Haydée mit 14, Eduardo mit 12, Santha mit 8 und Jonathan mit 5 Jahren. Der Vater ist Alkoholiker und gewalttätig. Er hat das Haus verlassen. Die Mutter ist wegen Drogenhandel im Gefängnis. Die arme Frau ist wahrscheinlich unschuldig: Man hat ihr ein Paket in die Tasche gesteckt. In Perú wird die präventive Haft angewendet. Sie dauert ein Jahr. Danach besteht die Gefahr, dass sie um zehn weitere Jahre verlängert wird, wenn die Mutter der vier Kinder schuldig gesprochen wird. Alle vier Kinder waren voller Parasiten (bis zu
30 cm lang), hatten Blutprobleme und Hautkrankheiten. Sie brauchten viel Pflege und viele sehr teure Medikamente. Die Bettwäsche und die Leintücher mußten jeden Tag gewaschen werden. Bezüglich ihrer Schulbildung sind sie stark im Rückstand. Eduardo besucht mit seinen 12 Jahren zum fünften Mal die zweite Klasse, in der sonst siebenjährige Kinder sitzen. Haydée ist mit 14 Jahren in der vierten Klasse, Santha in der ersten. Seit August 2002 wohnen sie bei ihrer Tante, die sich bereit erklärt hat für die Kinder zu sorgen. Die Reintegration in die Familien der Kinder ist eines unserer Ziele. Sie werden weiterhin vom Jugendamt betreut.
Am ersten Mai 2002 kam Elyzabeth (sie will, dass wir Fiorela zu ihr sagen). Fiorela lebte auf der Straße. Sie wurde von ihrer Mutter verlassen und von ihren Brüdern mißhandelt. Sie ist von zu Hause weggelaufen und lebte auf der Straße, wo sie viel über das Leben als Straßenkind lernte. Schon von zu Hause brachte sie viele Erfahrungen mit. Ihre Mutter verkaufte pornographische Straßenzeitungen. Obwohl sie erst 6 Jahre alt ist, wurde sie schon von vielen Heimen hinausgeworfen. Aufgrund ihres Benehmens stellte sie kein gutes Beispiel für andere Kinder dar. Sie kannte viele unanständige Wörter und verwendete diese dauernd. Wir haben unsere Türen auch für sie geöffnet. Am Anfang log sie sehr oft, um nicht zu sagen immer. Ihr fiel das Zusammenleben mit den anderen Kindern sehr schwer, sie war sehr aggressiv. Nach zwei Wochen hat sie sich gut eingelebt und scheint sich bei uns wohlzufühlen. Sie betrachtet Gil und Chantal als ihre Eltern und hat ihren Platz unter den anderen Kindern gefunden, von denen sie auch akzeptiert wird. Sie braucht viel Liebe und das ist genau das, was sie bekommt. Sie ist den ganzen Tag zufrieden, singt und ist ein kleiner Sonnenschein im Haus. Mit Liebe kann man Berge versetzen!
Nach Fiorela kamen Jesús (14) und Jorge (7) für einen Monat zu uns mit der Hoffnung, dass das Jugendamt einen Platz für sie findet. Es sind Kinder mit vielen Problemen. Sie stehlen, lügen und haben keinen Respekt. All das sind Konsequenzen ihrer Erziehung. Leider konnten wir während diesen Monats keine großen Veränderungen bewirken.
Am 21. August 2002 kamen 3 weitere Kinder: Juan Carlos (11 Jahre), Elmer (9 Jahre) und Emerson (5 Jahre). Ihre Mutter starb im Mai zuvor. Zwei Monate später wurde ihr Vater mit Kokain festgenommen und sitzt nun wegen Drogenhandels im Gefängnis. Es sind liebe Kinder, deren Leben sich innerhalb weniger Monate schlagartig verändert hat. Sie kommen aus dem Regenwald, wo die Schulbildung sehr schlecht ist. Die meiste Zeit müssen die Kinder ihren Eltern beim Arbeiten helfen. Deshalb waren bei ihnen einige Lernrückstände festzustellen. Juan Carlos kann gerade einmal lesen, versteht jedoch nicht, was er liest. Sie haben sich hier gut zurechtgefunden und scheinen glücklich zu sein. Dafür war sehr viel Verantwortung und elterliche Autorität nötig. Die Kinder fanden in Gil und Chantal Menschen, die ihnen zuhören, sie verpflegen, erziehen und lieben. Sie besuchen regelmäβig ihren Vater im Gefängnis. Es ist sehr wichtig für sie den Kontakt zu ihm zu bewahren.
Heute sind Juan Carlos und Elmer in Urpi, einem staatlichen Kinderheim für Jungen von 6-18 Jahren. Angesichts ihres Alters und des geringen Platzes in unserem Haus (Jungen und Mädchen müssen sich ihre Zimmer teilen, da wir unseren groβen Traum ein zweites Haus zu bauen, noch nicht realisieren konnten) haben wir beschlossen, die älteren Kinder vorläufig zu trennen. Emerson hat es bevorzugt hier bei uns zu bleiben.
Am 27. August 2002 brachte uns das Jugendamt 2 Kinder: Edu (4 Jahre) und seinen Bruder Luís (2 Jahre). Sie wurden bei den Straßenkindern gefunden. Wir wußten nicht, woher sie kamen, wie sie hießen, ob sie ausgesetzt wurden oder vermißt werden. Einige Tage später kam ihre Mutter mit einer eigenartigen Geschichte. Sie suchte ihre Kinder und wollte sie zurückhaben. Das Jugendamt will sicher gehen, dass sie gut mit ihren Kindern umgeht und verfügte deshalb, dass die Kinder bis zur Überprüfung bei uns bleiben.
Das ist in wenigen Worten das Ergebnis von 6 Monaten Kinderheim „Los Gorriones" gewesen. Es kamen noch viele weitere Kinder, deren Geschichten hier nicht alle erzählt werden können. Dennoch ein kurzer Überblick:
Unter den 25 Kindern, die heute, im Oktober 2007, mit uns im Casa Hogar leben, gibt es viele Geschwister.
Da sind z.B. der 3-jährige Fredy und seine 5 Jahre alte Schwester Deisse, die vor einem Jahr zu uns kamen, weil ihre Mutter starb und ihr Vater sich nicht um sie kümmern kann.
Da sind die 5 Kinder der Familie Lopez: Favio (11), Luis (9), Abel (7), Brenda (5) und Sergio (3), die uns in einer Nacht im März 2004 von der Polizei geschickt wurden, weil ihre Mutter verschwand und sie mehrere Tage alleine zu Hause gelassen hatte. Sie ist Alkoholikerin und schafft es nicht sich um ihre Kinder zu kümmern. Die 5 Kinder haben 3 unterschiedliche Väter und sehr starke Charaktere. Sie stehen alle auf der Adoptionsliste.
Luis Alonso (6), Jolver (9), Florinda (11) und Sonia (13) wurden von ihrem Vater geschickt, der uns um Hilfe bat als seine Frau starb und er sich mit 6 Kindern alleine vorfand. Sie lebten unter sehr armen Umständen im Regenwald, wo der Vater es heute kaum schafft sich selbst zu ernähren. Luis Alonso kam mit vielen sehr schweren Krankheiten wie Anämie, Malaria und Hepatitis, war stark unterernährt und hat heute noch psychische Probleme. Für beide Brüder war es schwer den Tod ihrer Mutter zu überwinden und von ihren Geschwistern getrennt zu sein. Sie verweigerten anfangs jeden Kontakt, selbst zu ihrem Vater. Die beiden Schwestern kamen erst nach einem Jahr zu uns, in dem wir darum kämpften, sie alle wieder zusammen zu führen. Heute leben sie schon seit mehr als 4 Jahren bei uns und scheinen glücklich zu sein. Ihr Vater kommt sie besuchen, wenn er kann. Sie stehen nicht auf der Adoptionsliste.
Der 6-jährige Alberto ist vor 3 Jahren zu uns gekommen, seine Schwester Ciliana (10) kam erst Anfang diesen Jahres zu uns. Alberto ist im Gefängnis geboren, wo seine Eltern sich heute immer noch wegen Drogenhandels befinden. Seine Schwester befand sich zu der Zeit schon in einem anderen Kinderheim. 2 Jahre lang musste Alberto im Gefängnis leben bis ein Unfall passierte, bei dem Alberto in einen Kessel mit heiβem Wasser gefallen sein soll. Er kam sofort ins Krankenhaus, wo seine Brandnarben über einen Monat lang behandelt werden mussten. Anschlieβend sollte er wieder zurück ins Gefängnis, weigerte sich aber zutiefst. Auch heute hat man manchmal noch den Eindruck, er stünde unter Schock. Seine Brandnarben sind verheilt, doch seine seelischen Wunden benötigen weiterhin sehr viel Pflege.
Noemi (6) hat ebenfalls eine sehr erschreckende Familiengeschichte. Ihre Mutter verlor ihre gesamte Familie zur Zeit des Terrorismus und wuchs selbst bei Adoptiveltern auf. Sie war schwer traumatisiert, lebte mehr auf der Straβe als zu Hause und wurde selbst mit 15 Jahren von einem Unbekannten schwanger. Noemis ältere Schwester lebt ebenfalls in einem Kinderheim, nun bekam ihre Mutter ihr drittes Kind von einem dritten Mann. Noemi kam mit einer chronischen Unterernährung und konnte kaum gehen ohne ihr Gleichgewicht zu verlieren. Heute tanzt sie…gut, ab und zu fällt sie noch aber sie ist ein sehr fröhliches Kind und eins der Sonnenscheine unseres Hauses.
Die kleine Nilda kam vor 1 ½ Jahren direkt aus dem Krankenhaus zu uns, in dem ihr aufgrund einer ernsthaften Lungenentzündung schon alle Überlebenschancen abgesprochen wurden. Hier kam sie dann mit einer zerebralen Lähmung, einer chronischen Unterernährung und einer Bronchopneumonie an, war stark dehydriert und wiegte mit einem Jahr und 8 Monaten gerade mal
4,7 kg. Ihr Leben hing an einem seidigen Faden. Nildas Vater ist alkoholkrank und Analphabet. Das Geld, das er verdiente, gab er sofort zum Trinken aus. In der Familie wurde seitens des Vaters sehr viel Gewalt ausgeübt, die 8 Geschwister wurden von ihren Eltern völlig allein gelassen, nicht erzogen und haben nie viel Liebe erfahren. Die Mutter arbeitete auf einem kleinen Feld um ein wenig Gemüse mit nach Hause zu bringen. Nilda hat in ihrem kurzen Leben mehr Zeit im Krankenhaus als zu Hause verbracht. Doch dort wurde sie nicht gerne gesehen, denn für die Ärzte im Krankenhaus war sie ein hoffnungsloser Fall. Man solle sie sterben lassen, war der Ratschlag. Auch hier konnte sie nicht geheilt werden: Sie hatte oft Fieber, konnte die Nahrung nicht bei sich behalten und hatte Flüssigkeitsansammlungen um die Lunge herum. Wir brachten sie wieder ins Krankenhaus, wo es ihr langsam besser ging. Doch kurz vor ihrer Entlassung kam es zu einem Unfall, bei dem Nahrung in die Lungen der Kleinen geriet und sie beinahe erstickte. Sie musste reanimiert werden und schwebte eine Woche lang zwischen Leben und Tod. Doch Nilda hatte und hat einen sehr starken Überlebenswillen und kam wieder zu uns. Wir wissen nicht wie lange sie noch kämpfen kann aber wir begleiten sie auf ihrem Weg. Sie verzaubert mit ihrem wunderschönen Lächeln jede Señorita und jeden Freiwilligen.
Sabina ist mit ihren 20 Jahren die älteste im Casa Los Gorriones. Sie ist schwerhörig und hat eine leichte geistige Behinderung. Wir wissen nicht viel über ihre Vergangenheit. Mit 10 Jahren wurde sie auf den Straβen von Lima gefunden und als Dienstmädchen eingestellt.
Dort wurde sie sehr schlecht behandelt, musste hart arbeiten und wurde geschlagen. 4 Jahre später wurde Sabina zum Familienrichter gebracht, da die Frau, bei der Sabina arbeitete, verreisen wollte und Sabina nicht mehr gebrauchen konnte. Sie wurde nach Ayacucho gebracht, doch der Familienrichter wusste auch hier nichts mit ihr anzufangen. So kam sie zu uns. Sabina geht vormittags in eine Sonderschule und hilft uns nachmittags im Kinderheim. Sie fing an ein wenig zu sprechen und erlernte Handarbeiten. Sabina geht gerne zur Schule und macht Fortschritte. Sie scheint glücklich bei uns zu sein.
Margary ist 13 Jahre alt und kam Anfang des Jahres 2003 zu uns. Sie wurde von ihrer älteren Schwester gebracht, die für ihre 4 kleineren Geschwister verantwortlich ist. Ihre Eltern waren Alkoholiker und starben kurz hintereinander. Margarys Brüder leben ebenfalls in einem Kinderheim. Margary hat ihr Elternhaus zuvor niemals verlassen und konnte nie zur Schule gehen. Sie hat niemals Liebe oder eine Erziehung erfahren. Sie ist geistig zurückgeblieben und hat groβe Probleme beim Sprechen. Anfangs war es kaum verständlich, was sie sagte. Auβerdem hatte sie Angst vor Männern als sie ankam und versteckte ihr Spielzeug, weil sie nicht wusste, wie sie damit spielen sollte. Heute geht Margary zur gleichen Schule wie Sabina und macht groβe Fortschritte. Auch ihr scheint es sehr viel Spaβ zu machen. Sie ist ein fröhliches und aufgewecktes junges Mädchen.
Der kleine 4-jährige Eberson kam im August 2004 zu uns. Er hat leider garkeine Angehörigen mehr. Seine Mutter starb bei seiner Geburt, so dass er von einer Familie aufgenommen wurde, die selbst 6 Kinder hatte. Doch auch hier starb die Mutter und so wurde Eberson zu uns gebracht. Eberson ist blind und hat eine zerebrale Lähmung…3 mal in der Woche fahren wir mit ihm zur Therapie. 2 mal täglich werden mit Eberson und allen anderen Kindern mit Behinderungen Rehabilitationsübungen gemacht. Er macht gute Fortschritte und wir hoffen, dass er bald laufen kann. Eberson kann sehr agressif sein und wirft gelegentlich seinen Kopf gegen die Mauer. Auf der anderen Seite ist er ein sehr liebebedürftiger und verschmuster Junge und braucht sehr viel Aufmerksamkeit. Eberson steht auf der Adoptionsliste.
Diego (8) lebte mit seiner 35-jährigen Mutter in den Bergen, die den ganzen Tag arbeitete und ihren Sohn wie eine Pflanze in der Ecke stehen lieβ. Sein 65-jähriger Vater hat keinen Pfennig Geld und kein Haus, dafür aber unzählige Kinder, um die er sich nicht kümmert. So hatte Diego nicht die geringste Stimulation. Diese hätte er aber so dringend gebraucht, ist doch auch er ein Kind mit einer zerebralen Lähmung. Als Diego ankam, konnte er nicht einmal seine Augen öffnen. Nach einigen Monaten Rehabilitation kommuniziert er nun mit ein paar Lauten. Für uns ist das schon ein groβer Schritt.
Yackner ist 5 Jahre alt und wurde von seinem Vater gebracht, der uns um Hilfe bat, weil seine Frau ihn angeblich verlassen hatte. Seit einigen Monaten ist die Mutter, die ihren Sohn nie besuchen kam, nun wegen Drogenhandels im Gefängnis. Der Vater und sein Sohn lebten in einem Haus ohne Elektrizität, ohne Wasser und ohne Toilette. Mit seinem behinderten Sohn konnte der Vater nicht arbeiten gehen. Yackner hat ebenfalls eine zerebrale Lähmung, starke Krämpfe und war unterernährt als er kam. Sein Vater kommt ihn nun jeden Sonntag besuchen und arbeitet heute als ausgezeichneter Bäcker. Man sieht, dass er seinen Sohn liebt. Wir versuchen ihm übergangsweise zu helfen und so, wie es aussieht, scheint es zu klappen. Er hat eine neue Familie gegründet und plant nun Yackner in einigen Monaten zu sich zu holen.
Fermin ist 8 Jahre alt und kam im April diesen Jahres zu uns. Er ist ein ganz spezieller Junge, was sich unter anderem darin äuβert, dass er zwar schon 8 Jahre alt ist, im Grunde genommen aber aussieht wie ein Dreijähriger. Fermin hat eine starke geistige Behinderung und in seinem Leben nie eine Erziehung genossen. Er ist aus einer Vergewaltigung hervorgegangen; seine Eltern sind beide geistig behindert. In den ersten 6 Jahren lebte Fermin bei seiner Mutter. Diese wusste nicht, was sie mit ihrem Kind anfangen sollte und sperrte es deshalb nach Aussagen seiner Tante 6 Jahre lang in einem kleinen Zimmer ein.
Dort wurde er so gut wie garnicht mit
Essen oder Kleidung versorgt, weshalb sein angeheirateter Groβvater ihn schlieβlich zu seinem Vater schicken wollte. Doch auch dort war er nicht besser aufgehoben. Wir fanden ihn in einem stark vernachlässigten und verwahrlosten Zustand vor. Er hatte nichts weiter als einen Pullover an, saβ an einem kalten Regentag barfuβ in einer dunklen Ecke und schien stark unterernährt zu sein. Er schien so einen Hunger zu haben, dass er sogar seine eigenen Exkremente ass. Heute bestehen Vermutungen, er habe eine Psychose. Auf der anderen Seite wirkt Fermin aber auch hyperaktiv, so dass noch nicht geklärt werden konnte, was er wirklich hat. Er braucht deshalb dringend professionelle Hilfe. Fermin fordert sehr viel Aufmerksamkeit, weil man ihn keine Sekunde aus den Augen lassen kann. Er kann keine Minute still sitzen, läuft ständig von einem Ort zum anderen, gibt einsilbige Laute wie ma-ma-ma-ma-ma von sich und nimmt alles in den Mund, was er finden kann. Auch seine Hände nimmt er andauernd in den Mund. Man kann sagen, dass der kleine Junge nichts tut, was einen Sinn ergeben würde. Er beisst, fügt anderen Schmerzen zu, ist aber auch autoagressif. Fermin hört so gut wie garnicht auf Anweisungen und reagiert selten auf seinen Namen. Es ist schwer zu sagen, wieviel er versteht, wie stark seine geistige Behinderung ist und wieviel Resultat einer ausbleibenden Erziehung und eines gewalttätigen familiären Umfelds ist. Wir hoffen mit bald folgenden Untersuchungen mehr ϋber seinen Zustand zu erfahren.
Sheyla ist 4 Jahre alt und hat eine körperliche und eine leicht geistige Behinderung. Diese äuβert sich darin, dass sie nicht richtig sprechen kann und aufgrund einer Hϋftverrenkung Schwierigkeiten beim Gehen hat. Ihre Hüfte wurde mehrfach operiert. Des Weiteren hat Sheyla eine Elepsie. Ihre junge Mutter ist in der Ausbildung. In ihrer Vergangenheit hat sie keinerlei familiäre Unterstϋtzung zur Versorgung ihrer Tochter erfahren und hat deshalb um Hilfe im Casa Hogar gebeten. In ihrer Familie gab es einige Alkoholprobleme, zudem musste sie sich um ihre Lehre kϋmmern und ihren Lebensunterhalt verdienen. Sie kommt Sheyla jeden Sonntag besuchen oder holt sie zu Ausflügen ab. Sie liebt ihre Tochter und bemüht sich um ihr Wohlergehen. Es ist klar, dass sie Sheyla nach Hause holen möchte, sobald es möglich ist.
Christofer ist mit seinen 1 ½ Jahren der Kleinste in unserem Haus. Er kam erst im August diesen Jahres aus einem anderen Kinderheim zu uns.
Dort hatten sie nicht die Möglichkeit seine physomotorische Behinderung zu behandeln, die bei seiner Geburt entstand. Seine Mutter, die mental beeinträchtigt ist, befand sich gerade auf der Tanzfläche einer Diskothek als sie ihn empfing. Dabei fiel Christofer auf seine rechte Körperhälfte, die heute wöchentlich in der Physiotherapie behandelt wird. Er kann leider seine rechte Hand nicht bewegen und muss sie deshalb täglich trainieren. Er ist ein aufgewecktes kleines Baby und wird nach seiner Behandlung in unserer Einrichtung in das andere Kinderheim zurϋckkehren.
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